Von Auffälligkeiten und einem riesigen Grillfest am Strand
Sonntag, 16. 08.2009, 23h00
Nach einer Woche und zwei Tagen erlaube ich mir, erste empirische Ergebnisse meiner lokalen Sozialstudie zu veröffentlichen. Beobachtungsorte waren allen voran der Strand von Cádiz und die Straßen, Bars und Häuser:
1) Viele Spanier hier in Cádiz, vor allem Kinder haben ein echtes Problem mit Übergewicht. Schon Kindergartenkinder, laufende Meter, sind hier teilweise erschreckend dick. Diese Beobachtung bestätigten meine Sprachlehrer, mit der Erläuterung, in Spanien würden mit großer Hingabe Fritiertes und Süßigkeiten gegessen. Für letztere gibt es anbei mehr als die drei Wörter, die ich bisher gelernt habe: dulces, golosinas und chuches aka chucherías.
2) Jene erste Beobachtung findet seinen Ursprung in einer zweiten: man sieht hier sehr viel fern. Angeblich sei dies, neben dem Lottospiel bei der Lotterie „once“, nahezu der zweite Volkssport. Auch hier in meiner Gastfamilie läuft der Fernseher quasi den ganzen Tag, auch relativ lautstark. Einen Vorteil hat es: ich verbessere mein Hörverständnis, sehe beim Mittagessen nach den Nachrichten die Neuigkeiten aus Klatsch und Tratsch oder kann mich von einem vor Meeres und Strand Idylle arbeitenden Koch insprieren lassen. Erkenntnisse beim Fernsehschauen hier: Oft wird ein Spot gezeigt, der die Bevölkerung dazu aufruft, zu kleine Fische zu boykottieren. Ein anderer wirbt mit fröhlicher Musik für den Sonderjackpot der Lotterie „once“. Die Spanier sollen italienische Küche und das dazugehörige Lebensgefühl genießen, indem sie Fertigprodukte zubereiten. Don Simon ist eine bekannte Marke für flaschenfertige Sangria und den hier sehr beliebten „tinto de verano“ (Rotwein mit Sprite). Die Stimmen der Simpsons klingen genauso wie in Deutschland. Der Sender „tele 5“ ist hier der Sender, von dem jeder behauptet, ihn nicht zu sehen, weil er nur trash-TV (telebasura) sendet (aber auch eine gute kurze Kochsendung zum Mittagessen gegen 14h00). Obendrein gehört dieser also eigentlich recht stark frequentierte Kanal Berlusconi. Filme beginnen nicht 20h15, sondern 22h20; eben nach dem Abendessen (oder zum Abendessen, je nachdem). Und, last but not least: es gibt pro Film viel und sehr lange Werbung.
3) Viele Leute haben ein Tattoo. Oder mehrere.
4) Es herrscht eine ungewöhnliche Dichte an schwangeren Frauen.
Ansonsten nehme ich nun, nach dem dritten Tag intensiver Strandbesuche etwas Farbe an - was auch nötig war, denn man fühlt sich hier sonst allzu fremd.
Gestern war für die Bewohner von Cádiz ein wichtiger Tag. Der 15. August ist ein Feiertag, wie in allen katholischen Ländern, da es sich um Maria Himmelfahrt handelt. Die traditionelle Bedeutung tritt jedoch an diesem speziellen Tag völlig in den Hintergrund. Denn es ist der Tag des Fußballfinales. Darum entfachen die Gaitanos ein enormes Grillfest entlang mehrerer Kilometer Strand. Es war unglaublich diese Menschenmassen zu sehen, die es sich mit Sonnenschirmen, Strandmuscheln oder -zelten, Klappstühlen und allem erdenklichen Zubehör fürs Grillen am Strand gemütlich machte. Mit ein paar Leuten von der Sprachschule liefen wir quer durch die Grill-Gruppierungen, vorbei an Scharen betrunkener Jugendlicher und solcher, die es noch werden wollten. Einer von uns hatte noch nicht gegessen und wagte es, das zu tun, was meine Gastmutter Pepa mir schon vorher als vollkommen machbar bezeichnete: er fragte eine Gruppe, mutmaßlich zwei Familien mit „Kindern“ in unserem Alter, nach Essen. Und ehe wir wussten wie hatten wir alle entweder einen leckeren Hamburger, was zu trinken oder kleine Hühnchenkeulen vor uns. Und nette Gesprächspartner für die nächste halbe Stunde. Ich erfuhr vor allem, dass die restlichen Spanier wohl große Probleme haben das hiesige „andaluz“, sprich den Akzent der Andalusier, zu verstehen. Und dass wiederum „die Leute aus Madrid so komisch reden, weil die alle „s“ aussprechen.“ Unerhört! :D
Die Wochenende in Cádiz lassen sich angenehm mit einem Nachmittag am Strand verbringen. Von 17h oder 18h bis zum Sonnenuntergang gegen 21h30 entspannt es sich prächtig an der Playa Santa María. Das Wasser ist angenehm, recht wellig und sehr salzig. Aber vor allem ist es sogar abend gegen 21h30 noch nicht zu kalt, um schwimmen zu gehen und anschließend am Strand liegend zu trocknen. Das „späte“ Heimgehen hat außerdem den Vorteil, dass es auf dem bisweilen doch recht langen Weg nicht zu heiß ist. Denn sogar gegen 18h fühlt man sich auf dem letzten Stück Weg nach der Kathedrale und dem Pópulo wie in einer Welt aus Feuer.
Nach einer Woche und zwei Tagen erlaube ich mir, erste empirische Ergebnisse meiner lokalen Sozialstudie zu veröffentlichen. Beobachtungsorte waren allen voran der Strand von Cádiz und die Straßen, Bars und Häuser:
1) Viele Spanier hier in Cádiz, vor allem Kinder haben ein echtes Problem mit Übergewicht. Schon Kindergartenkinder, laufende Meter, sind hier teilweise erschreckend dick. Diese Beobachtung bestätigten meine Sprachlehrer, mit der Erläuterung, in Spanien würden mit großer Hingabe Fritiertes und Süßigkeiten gegessen. Für letztere gibt es anbei mehr als die drei Wörter, die ich bisher gelernt habe: dulces, golosinas und chuches aka chucherías.
2) Jene erste Beobachtung findet seinen Ursprung in einer zweiten: man sieht hier sehr viel fern. Angeblich sei dies, neben dem Lottospiel bei der Lotterie „once“, nahezu der zweite Volkssport. Auch hier in meiner Gastfamilie läuft der Fernseher quasi den ganzen Tag, auch relativ lautstark. Einen Vorteil hat es: ich verbessere mein Hörverständnis, sehe beim Mittagessen nach den Nachrichten die Neuigkeiten aus Klatsch und Tratsch oder kann mich von einem vor Meeres und Strand Idylle arbeitenden Koch insprieren lassen. Erkenntnisse beim Fernsehschauen hier: Oft wird ein Spot gezeigt, der die Bevölkerung dazu aufruft, zu kleine Fische zu boykottieren. Ein anderer wirbt mit fröhlicher Musik für den Sonderjackpot der Lotterie „once“. Die Spanier sollen italienische Küche und das dazugehörige Lebensgefühl genießen, indem sie Fertigprodukte zubereiten. Don Simon ist eine bekannte Marke für flaschenfertige Sangria und den hier sehr beliebten „tinto de verano“ (Rotwein mit Sprite). Die Stimmen der Simpsons klingen genauso wie in Deutschland. Der Sender „tele 5“ ist hier der Sender, von dem jeder behauptet, ihn nicht zu sehen, weil er nur trash-TV (telebasura) sendet (aber auch eine gute kurze Kochsendung zum Mittagessen gegen 14h00). Obendrein gehört dieser also eigentlich recht stark frequentierte Kanal Berlusconi. Filme beginnen nicht 20h15, sondern 22h20; eben nach dem Abendessen (oder zum Abendessen, je nachdem). Und, last but not least: es gibt pro Film viel und sehr lange Werbung.
3) Viele Leute haben ein Tattoo. Oder mehrere.
4) Es herrscht eine ungewöhnliche Dichte an schwangeren Frauen.
Ansonsten nehme ich nun, nach dem dritten Tag intensiver Strandbesuche etwas Farbe an - was auch nötig war, denn man fühlt sich hier sonst allzu fremd.
Gestern war für die Bewohner von Cádiz ein wichtiger Tag. Der 15. August ist ein Feiertag, wie in allen katholischen Ländern, da es sich um Maria Himmelfahrt handelt. Die traditionelle Bedeutung tritt jedoch an diesem speziellen Tag völlig in den Hintergrund. Denn es ist der Tag des Fußballfinales. Darum entfachen die Gaitanos ein enormes Grillfest entlang mehrerer Kilometer Strand. Es war unglaublich diese Menschenmassen zu sehen, die es sich mit Sonnenschirmen, Strandmuscheln oder -zelten, Klappstühlen und allem erdenklichen Zubehör fürs Grillen am Strand gemütlich machte. Mit ein paar Leuten von der Sprachschule liefen wir quer durch die Grill-Gruppierungen, vorbei an Scharen betrunkener Jugendlicher und solcher, die es noch werden wollten. Einer von uns hatte noch nicht gegessen und wagte es, das zu tun, was meine Gastmutter Pepa mir schon vorher als vollkommen machbar bezeichnete: er fragte eine Gruppe, mutmaßlich zwei Familien mit „Kindern“ in unserem Alter, nach Essen. Und ehe wir wussten wie hatten wir alle entweder einen leckeren Hamburger, was zu trinken oder kleine Hühnchenkeulen vor uns. Und nette Gesprächspartner für die nächste halbe Stunde. Ich erfuhr vor allem, dass die restlichen Spanier wohl große Probleme haben das hiesige „andaluz“, sprich den Akzent der Andalusier, zu verstehen. Und dass wiederum „die Leute aus Madrid so komisch reden, weil die alle „s“ aussprechen.“ Unerhört! :D
Die Wochenende in Cádiz lassen sich angenehm mit einem Nachmittag am Strand verbringen. Von 17h oder 18h bis zum Sonnenuntergang gegen 21h30 entspannt es sich prächtig an der Playa Santa María. Das Wasser ist angenehm, recht wellig und sehr salzig. Aber vor allem ist es sogar abend gegen 21h30 noch nicht zu kalt, um schwimmen zu gehen und anschließend am Strand liegend zu trocknen. Das „späte“ Heimgehen hat außerdem den Vorteil, dass es auf dem bisweilen doch recht langen Weg nicht zu heiß ist. Denn sogar gegen 18h fühlt man sich auf dem letzten Stück Weg nach der Kathedrale und dem Pópulo wie in einer Welt aus Feuer.
tartetatina - 16. Aug, 23:50
