Donnerstag, 19. August 2010

Von länderspezifisch-typischen Todesursachen

Sonntag, 14 März 2010

In meinem Halbzeit-Bericht aus Manchester schrieb ich, dass mich dort aufgrund von fehlender Kanalisation und straßenbauerischer Kompetenz eine markergreifende Angst vor Pfützen und denen aus ihnen potenziell generierten Duschen auf offener Straße ständig im Bann hielt. Sterben könnte man davon natürlich nur, würde die darauf folgende Verkühlung zu einer Lungenentzündung führen. Oder der Schock über das tatsächliche Eintreten des Ereignisses zu einem Herzstillstand. Dennoch war die Angst da, und beherrschte mich, im Vergleich zu den anderen bereisten Ländern, exklusiv dort. Größere Unglücks- oder Todeswahrscheinlichkeit ist im europaweit einzigartigem Linksverkehr der Briten zu suchen. Wie oft siegte bei Überqueren einer Straße bei mir Kontinentaleuropäerin die Gewohnheit, vor allem nach links hin die Straße herabzublicken, sodass ich, beruhigt ob der freien Sicht, einen Fuß auf die Fahrbahn setzte und dann dabei erst nach rechts blickte, den Fuß in diesem Moment aber sogleich von panischer Angst beseelt zurückholte und mit zitterndem Herzen und angeweichten Knien einen großen Doppeldeckerbus an mir vorbeirauschen sah. Ähnliche Saltos schlug mein Herz nicht selten, wenn wir im Bus links in einen Kreisverkehr hineinfuhren oder schlichtweg jedes Mal, wenn mich der panikgepeitschte Gedanke “Wir fahren doch auf der Gegenspur!!!” durchzuckte.

In skandinavischen Ländern kommt die Gefahr im Winter von oben. In den Straßen von Stockholm und Oslo warnen in regelmäßigen Abständen Schilder vor von den Dächern rutschenden Eislasten und dolchgleich herabstürzenden Eiszapfen. Diese können erstaunliche und zugleich Besorgnis erregende Ausmaße erreichen. Ihretwegen sah ich im Stockholmer Straßenbild häufig Grundschulklassengruppen, deren kleine, süß in bunte Schneeanzüge verpackten Mitglieder fast immer ebenfalls bunte Helme trugen. Damit der Eiszapfen dem jungen Leben nicht ein jähes Ende bereitet. Makaber gesprochen wäre dies jedoch gewiss eine etwas stilvollere Art dem Leben unglücklich zu entweichen als ein schnöder Autounfall.
Bei meiner Stippvisite in Oslo erfuhr ich von Radu, dass diese Schneeanzüge auf Norwegisch "Bommeldress" heißen. What more can I say? :)

England continued - ein retrospektiver Bericht, vor fünf Monaten begonnen.

Sonntag 14. März 2010.

Es ist Sonntag, der 14. März und ich sitze im Zug nach Mainz. In Köln bin ich umgestiegen und dieser mein aktueller Zug hatte natürlich rund 10 Minuten Verspätung. Ob es die beständige Inkompetenz der Bahn ist, oder die Strafe für mein kontinuierliches Lästern, dass die DB doch per se immer zumindest einige Minuten Verspätung hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Herzerfreuend ist anbei auch die Kompetenz im Bereich der englischen Sprache; es ist mir schleierhaft, warum man nicht alle Zugbegleiter zumindest in einem Crash-Kurs auf den Pfad der richtigen Aussprache bringen kann.
Doch genug über die Bahn geklagt. Ich bin mittelbar bereits auf der Reise nach Krakau, der vierten und somit vorletzten Station auf meiner Forschungsreise. Das letzte Mal habe ich hier also nach der Halbzeit meiner dritten Station berichtet, aus Manchester. Zur Entschuldigung mag nur gesagt sein, dass mein Leben und meine Reise seitdem zu schnelllebig geworden ist, als dass ich sie hätte schriftlich festhalten können.

Nun seien also vorerst einige Bemerkungen, Anekdoten und Gedanken zu Manchester und dem Vereinigten Königreich allgemein nachgetragen, bevor ich es hoffentlich schnellstmöglich schaffe, einen ausführlichen Bericht über das herrliche Stockholm zu verfassen.

Meine Ankunft in Manchester verhieß eigentlich wenig Gutes - trotz ungefähr einer Dekade Englischunterrichtes war es mir nämlich nicht möglich, den Busfahrer zu verstehen, der mich vom Flughafen zu meiner Wohnung bringen sollte. Ich kannte bereits den Namen der Haltestelle, hatte eine präzise Wegbeschreibung von der Haltestelle zum Haus, doch musste im Bus dann feststellen, dass dort die nächste Haltestelle weder angezeigt noch angesagt wird. Der geübte Mancunian weiß also, wann er auszusteigen hat. Dumm ist nur, wenn man sich nicht auskennt, es draußen stockduster ist (der Winter grüßt den, der nach 18h00 ankommt, leider nicht mit Sonnenschein) und außerdem der erste englische Regen niederprasselt - somit also ein Lesen von Straßenschildern unmöglich wird. So bat ich den Busfahrer, mir Bescheid zu geben, kurz bevor wir meine Haltestelle erreichten, auf dass ich genug Zeit zum Festzurren meines Rucksackes und Aufstehen hätte. Der Gute meinte es mir offensichtlich Reisenden allerdings zu gut und mutmaßte, ich wüsste nicht einmal genau, wohin ich wolle. Darum fragte er mich, in welche Straße ich zu gehen gedachte. Dies jedoch verstand ich erst nach der fünften oder sechsten Wiederholung; zuvor glaubte ich, nicht in England gelandet zu sein... Innerlich grummelte ich “Das kann ja heiter werden mit den Leuten hier”, da ich befürchtete, die Klischees vom allgemein und ausnahmslos verbreiteten nordenglischen Dialekt seien wahr. Meine Vermieterin bewies mir jedoch das Gegenteil, als sie mich an der Haustür begrüßte. Nur mein Mitbewohner Andrew, der auch aus der nordenglischen Ecke stammte, bereitete mir bisweilen Verständnisprobleme, weil er die Worte eben doch sehr nord-britisch, wenn auch klangvoll, kaute.

Gut finde ich überall im Vereinigten Königreich die Kulturpolitik, derer sich auch Frankreich langsam anzunähern versucht: der Eintritt zu Museen und nationalen Kunstgalerien ist frei. Es wird lediglich um eine Spende gebeten, mit einer vorgeschlagenen Höhe von meist £3. Wenn man gerade knapp bei Kasse ist oder eben ein Student auf Reisen stört sich aber niemand daran, wenn man diesen Obulus nicht zahlt, oder einfach weniger gibt.

Die Buskultur in England ist erstaunlich, und gleicht, für mich überraschend, der in Spanien. Busse sind ein sehr übliches Reisemittel für Fahrten zwischen Städten, also auch zwischen Manchester und London / Bristol / Edinburgh. Die Preise insbesondere bei nationalexpress und megabus sind ansprechend günstig (wie immer mit verschiedensten Rabattmöglichkeiten: Onlinebuchung, Rabattkarte, Studentenkarte, rechtzeitiges Buchen..) und der Service sehr gut. Die einzige Ausnahme bildete meine Fahrt von Edinburgh nach Manchester (über Nacht, Ankunft in MCR 4h52 a.m.); hier ist die Schuld jedoch eher bei den Verdauungsstörungen meiner Mitreisenden als bei der Busgesellschaft zu suchen.

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