¡Hombre, qué calor! Oder: Eindrücke von der ersten Hälfte der ersten Woche.

Donnerstag, 13. 08.2009, 19h20-20h00

Oh ja. Die letzten Tage hatte ich Sprachunterricht, ein gewisses Maß an socializing und lange siestas wegen nächtlichem Ausgehen - da kommt der Blog etwas zu kurz. Nun also Neuigkeiten.

Diese zu schreiben ist aber diesmal gar nicht so einfach, weil fünf Meter von mir, auf der Plaza de Mina (immer wieder, Internetzugang sei Dank), einige Kinder lautstark spielen und zählen. Die haben‘s drauf mit den Zahlen auf Spanisch...

So. Und jetzt grade eben wurde ich hier das zweite Mal angelabert. Diesmal von einem echt strangen Kerl. Und beide hatten die gleiche Taktik: über das Internet sprechen. „Wow. Gibt‘s hier Internet?? (Dreh dich um, und lies!)“ Und wenn sie sich dann vorstellen, dann wollen sie immer gleich Wangenküsschen geben. Nicht nur aus Schweinegrippe-Prevention habe ich dies erfolgreich abblocken können - mit doppeltem Erfolg. Kurz angebundene Antworten und die Weigerung Küsschen zu verteilen helfen. Und ich hieß eben Marta. Frag mich, warum mir grade dieser Name einfällt.

Hier sind grad außerdem irgendwie zu viele Tauben. Und Kinder, die sie so aufscheuchen, dass sie gleich zu zwanzigst im Tiefflug über meine Bank hinweg flüchten. Wenigstens stinkt es hier nicht so wie in Venedig :)

Zu meinem Alltag in Spanien, oder genauer Andalusien: ich gewöhne mich schnell und gut an die Uhrzeiten. Frühstück ist ja völlig „normal“, wie ich es gewohnt bin. Dann, gegen 14h, 14h30, nach dem Unterricht gibt es ein sehr wohlschmeckendes (mal wieder Glück gehabt mit der Gastfamilie^^) und umfangreiches Mittagessen, das eigentlich, vor allem bei dieser Hitze, bis zum Abend gegen 22h jeglichen wirklichen Hunger unmöglich macht. Danach: eine kleine Siesta. Wobei klein bei mir ein starkes Understatement ist, da ich bis auf gestern mindestens 2 Stunden geschlafen habe. Irgendwie machen Essen und Wärme seeeeehr müde. Naja, und ab 18h kann man auch wieder raus gehen, um Kleinigkeiten einzukaufen (Sandalen, Sonnenhut, Zugtickets oder Fächer, was frau in Südspanien eben braucht) oder einfach um nicht bei der kleinsten Bewegung zu zerfließen. Somit konnte ich gestern zwischen Mittagessen-kurzer Siesta und den Einkäufen ab 18h locker arbeiten, und bin endlich etwas vorangekommen, was mein 3A-Projekt angeht. Und abends trifft man sich gegen 22h, gestern schon 20h30, da es zum Sonnenuntergang ab 21h ein Konzert im Castillo am Strand Caleta gab - gefolgt von einer kleinen Flamenco-Inszenierung vor Meeres-Himmel-Leuchtturm-Kulisse. Im Innenhof gab es dann kubanische Musik, die bestens zur Wärme und dem weiß getünchten Castillo passte; ebenso zum Mojito, der vor Ort und mit viel Liebe zubereitet wurde. Mir deucht, dass in Deutschland sehr leichtfertig und viel zu schnell zubereitet wird; ein echter Mojito braucht Zeit. Haben mir auch Spanier bestätigt: deswegen empfänden einige Bars diesen Cocktail auch als wenig rentabel, weil er zuviel Zeit benötigt, und sich die Spanier angeblich, trotz aller Gemütlichkeit, gern sofort einen Wodka kippen.

Fortschritte verzeichnen sich auch im Spanischen, ich merke, dass sich irgendwo in meinem Kopf kleine Rädchen in Bewegung setzen, ganz langsam, so dass mir die Verbkonjugation ganz langsam aber sicher natürlicher von den Lippen geht. Dies ist auch meiner Gastmutter Pepa zu verdanken. Wie gesagt, ich hatte mal wieder echtes Glück mit der Gastfamilie, denn wir verstehen uns super und reden über alles mögliche und so viel, dass ich mich morgens ganz schön sputen muss, um pünktlich beim Sprachkurs zu sein. Dieser ist anbei bemerkt auch recht angenehm; von 9 bis 13h30, mit insg. 45 Minuten Pause zwischen den drei Blöcken: 2 Stunden Grammatik, 30 Minuten Pause, 2 Stunden Konversation, 15 Minuten Pause, 1 Stunde „Intensiv-Konversation“. Wobei daran nur intensiv ist, das sie nur von Leuten besucht wird, die auch einen Intensivkurs gebucht haben. Teilweise finde ich, dass die Lehrer ein wenig zu viel erklären und zu langsam sprechen, aber bei manchen meiner 3 bis 5 Mitschüler (je nach Kurs), scheint das auch nötig. Ich merke schon, dass ich mir dank meines Französisch deutlich mehr Worte erschließe bzw. Einfach verstehe als andere. Aber gut. Das Vokabular und kleine Details über die spanische Lebensweise vergrößern sich täglich.

Mediamarkt verlässt den Deutschen in Spanien nicht - und wirbt sehr vertraut mit dem Satz „Yo no soy tonto.“ Heißt fast wörtlich das Gleiche, klingt aber dennoch angenehmer und weniger vulgär.

Und, eine Anekdote zum Schluss: nach meinem letzten Eintrag war ich eigentlich auf dem Heimweg, hatte aber, entgegen aller guten Vorsätze ambiente-bedingt Lust auf eine Zigarette. Darum kratze ich allen Mut und nicht-vorhandenes adequates Vokabular zusammen und sprach eine junge Frau (Mitte 20). Kaum hatte ich auch nur „Hola, disculpame“ gesagt, da antwortete sie „Oui“. Und schwupps, wechselten wir vorerst in Französisch. Sie drehte mir eine Zigarette, erfuhr, was ich in Cádiz tue und lud mich ein, mit ihr und ihren Freunden noch was trinken zu gehen. Letztlich saßen wir hier auf der Plaza de Mina: mit einem französischen Paar samt 2 Kindern au Toulouse, einem waschechten Einwohner von Cádiz und diesem Mädel, das auch hier aus der Provinz kommt, und zwei Jahre in Toulouse gelebt hat. Wir werden uns die nächsten Tage nochmal auf copa und tapas treffen.

Das Wort zum Freitag: Hombre! Chica! Guapa! Chico! Por favor! Dios mio! - das sind die Worte, die sich hier, wie ein gutes Gewürz, das nirgends fehlen darf, in aller Munde befindet und jedes Gespräch so....ja, Spanisch machen :)

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